Im weiteren Verlauf unserer Reise haben wir zwei weitere der vier Parks der Canadian Rocky Mountain Parks besucht. Hier hat uns unser Weg zunächst in den an den Banff National Park angrenzenden Yoho National Park geführt. Dieser kleine Park beherbergt einen wunderschönen Gletschersee, den Lake O’Hara. Zu diesem fahren lediglich vier (Schul-)Busse pro Tag hinauf, weshalb man bereits Monate im Voraus seine Fahrt buchen muss. Zum Glück wussten wir schon vorher darüber Bescheid und konnten kurz vor Start des Urlaubs eine Tour buchen. Durch die begrenzten Besucherzahlen bot sich uns ein wunderbar einsamer See inmitten von wunderschönen Bergen. Neben einem Campground dort findet sich außerdem eine sehr teure Lodge (ca. 600€/Nacht) mit einem Dutzend Kabinen direkt am Wasser und ein kleiner Shelter, in welchem es Kaffee und sehr leckeren Karottenkuchen gibt. Wir haben beschlossen, dort nicht besonders viel herum zu wandern, sondern nur ganz entspannt einmal um den See zu laufen. Hier bieten sich immer wieder neue Ausblicke auf die umliegenden schneebedeckten Berge, Gletscher und Wasserfälle. Auch kann man gut Vögeln und Eichhörnchen bei der Futtersuche zusehen. Alles in allem war dieser Tag einer der besten in unserem Urlaub.

Natürlich haben wir auch noch andere Sehenswürdigkeiten im Yoho National Park, wie den Emerald Lake, eine Natural Bridge und Takakkaw Falls besucht. Diese Wasserfälle sind mit 381m die zweithöchsten in Westkanada, aber dem unglaublichen Lake O’Hara konnte an diesem Tag natürlich nichts mehr das Wasser reichen.

Die weiteren Tage unseres Aufenthalts in diesem Gebiet wollten wir alle im Banff National Park verbringen. Hier hatten wir uns für den nächsten Tag einen Spaziergang entlang des Lake Louise und eine Wanderung im Johnston Canyon ausgesucht. Der Lake Louise ist durch sein türkises Wasser bekannt, welches aus dem direkt dahinter liegenden Victoria Gletscher gespeist wird. Hier haben wir schon auf unserer Nordamerika Reise vor zwei Jahren einen Stop eingelegt und sind der Meinung, dass der Gletscher seit dem ein wenig weiter geschmolzen ist. Direkt neben dem See befindet sich ein sehr großes, unglaublich hässliches Hotel, was durchaus ein wenig den Ausblich verschandelt. Der Johnston Canyon hat sehr schönes, klares Wasser und zwei tolle kleine Wasserfälle. Allerdings ist es auch eine sehr beliebte Wanderung, weshalb sich hier die Besucher nur so durch geschoben haben.

Für den dritten Tag hatten wir eigentlich eine Wanderung am Moraine Lake geplant. Leider fiel dieser für uns aus, da wir um 8:10 Uhr dort bereits keinen Parkplatz mehr bekommen konnten und auch entlang der Straße dorthin im Parkverbot bereits über 1km lang geparkt wurde. Außerdem hatte sich der Wind offensichtlich über Nacht gedreht, weshalb von benachbarten Waldbränden im Kootenay National Park (dem vierten der Canadian Rocky Mountain Parks) der Rauch ins Tal gezogen war, was die Sichtweite und die Luftqualität sehr stark reduzierte. Deshalb beschlossen wir, unser Programm vom nächsten Tag vorzuziehen und den Aufenthalt im Banff um einen Tag zu verkürzen und dafür uns etwas mehr Zeit in Calgary zu lassen.

Unser Programm beschränkte sich deshalb an diesem Tag auf den Besuch von vier weiteren Seen: die Vermilion Lakes, der Lake Minnewanka, der Two Jack Lake und der Johnston Lake. Alle Aussichten waren leider vom Rauch in der Region stark getrübt.

An dieser Stelle auch ein kleines Fazit zu den Unterschieden zwischen den kanadischen und den amerikanischen Nationalparks: Die kanadischen Nationalparks sind wesentlich stärker kommerzialisiert, was dazu führt, dass die Orte in den Parks mehr einem Ferienort gleichen. Es wohnen wirklich Leute dort im Park, es gibt Schulen, richtige Supermärkte, Kinos und unzählige Essensmöglichkeiten und Hotels. Es ist also wie eine ganz normale Stadt mitten im National Park. In den amerikanischen Parks sieht man dies weniger. Auch in den USA gibt es privat betriebene Lodges, aber es ist weniger außen herum geboten. In Amerika kommen die Leute mehr zum Genießen der Natur, in Kanada gleicht es mehr einem Pauschalurlaub mit nettem Panorama im Hintergrund. Dies führt tendenziell zu noch höheren Besucherzahlen, gerade in den Sommermonaten und an Wochenenden. Besonders im Banff ist dies zu merken, da der Park lediglich eine Stunde entfernt von der Millionen-Stadt Calgary liegt. Die hohen Besucherzahlen, kombiniert mit dem Fehlen von ausreichenden Shuttlekapazitäten und Routen (was in den USA sehr gut funktioniert), führt zu ein absoluten Überlastung von Parkplätzen und Stichstraßen. Da existiert, insbesondere im Banff, deutlich Verbesserungsbedarf.